Meine Beziehung zu Paul begann zeitgemäß im Internet. In dieser Zeit startete mein morgendlicher Arbeitsalltag mit der Recherche nach dem passenden Hund für mich und ich reifte ziemlich schnell zum Experten.„Sie suchen einen Hund? Was für einen Hund sucht Sie denn? Da gibt so einen im Tierheim, oder bei jener Vermittlung – ganz nett und freundlich, der würde bestimmt gut passen!“ Schade, dass man mit der optimierten Suche nach Hunden kein Geld verdienen kann.
Ich selbst hatte natürlich eine genaue Vorstellung von meinem „Traumhund“: ein Windhund, eher ein bisschen schüchtern, nicht aufdringlich, aber anhänglich, weiblich, sportlich, eher jünger … Dennoch kannte ich mich auch auf den anderen Not-Seiten sehr gut aus Spanier, Jagdhunde, Collies, alles hauptsache Hund.
In der „realen“ Welt hatte ich mir schon den ein oder anderen Hund angeschaut. Der Kontakt fand immer auf die gleiche Art und Weise statt: Ich sehe im Internet einen Hund der mir vom Bild und der Beschreibung gefällt, ich melde mich bei der Kontaktperson, erzähle ein bisschen über mich, warum ich Hundebesitzer werden möchte, vereinbare einen Termin zum gegenseitigen kennen lernen. Im Mensch-Hund Kontakt waren viele nette Hunde dabei, dennoch habe ich mich nicht wirklich für einen entscheiden können. Das was ich im Vermittler-Interessent Kontakt erlebt habe ist wirklich sehr erstaunlich, stark geprägt durch die Erwartungshaltung dass man sich am Besten sofort nach dem ersten Telefonat entschieden hat und nur kommt um den Hund abzuholen. Super Sache für mich als Entscheidungstrefferwunder. Meine Umwelt war ganz klar und strikt gegen meinen schönen Plan Mitglied in der Hundewelt zu werden: … in der Lebensphase- wie kannst du nur – unmöglich – das können wir nicht unterstützen! Aber ich wollte doch so gerne. Wie gesagt investierte ich eine Menge Zeit den Kontaktanzeigen.
Getrieben durch den Wunsch auch meine Umwelt von meinem Vorhaben überzeugen zu können entschied ich mich nach einem Hund zu suchen, der eben auch den Vorstellungen meiner Familie entsprechen würde. Durch Zufall bin ich dann auf einer Seite gelandet und habe einen Hund entdeckt von dem ich sofort wusste dass es meiner sein wird. Also rief ich an einem Samstag bei der Kontaktperson an, erzählte über mich und vereinbarte einen Termin. Nächste Woche Freitag. In der Woche telefonierte ich noch ein paar mal mit der Dame bei der, der Hund zur Pflege untergebracht war. Meine Konzentration für irgendwelche anderen Dinge war gleich null, aber die Woche ist trotzdem irgendwie rum gegangen. Auf meinem Heimweg, um das Weihnachtsfest mit meinen Eltern zu verbringen, fuhr ich also einen beträchtlichen Umweg, um diesen Hund zu treffen. Ich redete mir ein, dass ich ja nur dorthin fahre, um mir den Hund mal anzuschauen, wie ich es vorher auch schon so viele male getan habe. Niemandem habe ich von diesem Termin erzählt, und auf der Autofahrt schwankte mein Gemütszustand im Minutentakt von himmelhoch jauchzend bis zum Tode betrübt . Immer wieder meine Familie im Ohr: das ist egoistisch und unverantwortlich! Angst mich mit meiner Familie überwerfen zu können. Meine Eltern nahmen mich schon nicht mehr ernst und wünschten sich insgeheim ein anders Hobby für ihre Tochter, als quer durchs ganze Land zu fahren und Hunde anzuschauen. Endlich angekommen in einem kleinen Örtchen, das bestimmt nicht mal auf der Landkarte zu finden ist, war ich nun wirklich nervös. Ich klingelte und da kamen mir schon fünf Hunde entgegengestürmt – alles sehr schöne Hunde. Aber auf einen wollte ich mich ganz besonders konzentrieren. Wir gingen herein, redeten ein wenig. Das Hundchen war so umwerfend das ich nach 10 Minuten Zugesagt habe. Wir gingen noch eine kleine Runde dann wir regelten die Formalitäten.
Das war es dann: ich hatte meinen ersten und eigenen Hund. Mein Download.
So richtig vorbereitet auf das Hundehalter sein war ich nicht, also musste dass arme Hundchen mit in dem Lupo (der zwar den passenden Namen für ein Hundeauto hat, sich aber gar nicht als solches eignet) der eigentlich schon viel zu voll gepackt war – also schnell umpacken und dann ging es ab nach Hause. Ganz vorsichtig und unsicher, dem armen Hund nicht zu stressen oder irgendetwas falsch zu machen. Bevor ich aber auf der anderen Seite vor Glück platzte rief ich meine Schwester an, die mit meinem Vater unterwegs war: „Ich habe es gemacht! Ich habe einen Hund geholt!“ „Nein hast du nicht … du kannst doch nicht … glaube ich nicht – dann musst du jetzt mit den Konsequenzen rechnen…“ Schnell noch ein Beweisfoto geknipst und an meine Schwester per mms geschickt. Dann der schwerere Anruf: „ … Hallo Mama! Ich habe zwei Weihnachtsgeschenke: eins für dich, darüber wirst du dich sehr freuen und eins für mich, darüber wirst du dich gar nicht freuen.“
Zuhause angekommen hing der Haussegen schon reichlich schief, immerhin gemeinsam beschlossen wir, dass der Hund aussieht wie ein Paul. Der Hund Namens Paul hat alle Weihnachtskekse aufgefressen, ich war vielleicht meinen Job los, weil eigentlich keine Hunde erlaubt sind. Aber ich war mehr als glücklich: ich habe einen tollen Hund!
Schnell habe ich mich wieder auf den Weg gemacht und die Zeit genutzt mit Paul alleine zu sein, bevor die Weihnachtsferien vorbei sind und der Arbeitsalltag wieder ansteht und ich das nächste Probleme zu lösen hatte… den Job war ich nicht los und Paul ist immer noch da und der absolute Mittelpunkt in unserer Familie. König Paul!