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Archiv: September, 2007

Tagebuch eines Pilgerköters (5)

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Sonntag, 2007-09-30

Auf dem Jakobsweg von München zum Bodensee
Tag 5: Frauchen auf allen Vieren

5a_Aussicht_vom_Hohen_Peissenberg.JPG

Heute will Tine den Pausentag wohl wieder raus holen: Bis Mittag haben wir die erste Tagesetappe zum Hohen Peißenberg hinter uns. Von der grandiosen Aussicht in fast 1000 Metern Höhe sehen wir auf Grund der Bewölkung leider nicht viel. Grandios ist dafür aber das Mittagessen auf dem Berg: Tine bestellt sich ein Junghirsch-Steak und da ich ja so brav und fleißig mit laufe und trage bekomme ich davon ein paar Häppchen ab – mmmmmh! Ab sofort werde ich mich nach Rotwild umsehen, nicht mehr nach schnöden Rehen!
Danach geht’s in die Ammerschlucht. Sie wird im Reiseführer als recht anspruchsvolle Strecke beschrieben und am Eingang der Schlucht stehen auch noch mal Warnschilder: Man soll sie nur bei trockenem Wetter und mit festem Schuhwerk betreten! Festest Schuhwerk – pah, das ich nicht lache! Gut, dass wir Köter Allzweck-Pfoten haben! Mit dem trockenen Wetter ist es heute allerdings nicht so richtig weit her – und das hat einen sehr amüsanten Nebeneffekt: Die schmalen, geländerlosen Holzstege über tiefe Schluchten sind glatt wie Schmierseife. Daher begibt sich die Tine nach meinem Vorbild auf alle Viere zum Überqueren, was besonders mit dem riesigen Rucksack zum Schießen aussieht!

5b_Stege_über_der_Ammerschlucht.JPG

Nach etwa zehn Stegen ist sie auch halbwegs in Übung und krabbelt nicht mehr ganz so langsam, aber so richtig begeistert scheint sie nicht mehr… Also kraxeln wir bei der nächsten Ausschilderung zu einer Notrufsäule an der oberhalb verlaufenden Bundesstraße dorthinauf und nehmen nach einer waghalsigen Überquerung derselben und einem weiteren „Querfeld-ein“ mit einem sicher und eben verlaufenden Radweg vorlieb.
Kurz vor Rottenbuch kommen wir in die Dämmerung und schlage unser Lager auf.

Tagebuch eines Pilgerköters (4)

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Freitag, 2007-09-28

Auf dem Jokobsweg von München zum Bodensee
Tag 4: Ein schwarz-buntes Kalb in Bayern

Frauchen beschließt einen Pausen-Tag, da der nette Bauer, bei dem wir wohnen, uns eingeladen hat mit zu einer Viehauktion zu fahren. Das heißt, eigentlich will er mich zunächst zu Hause lassen, da er auf der Auktion noch nie jemanden mit Hund gesehen hat. Aber Tine ist zuversichtlich dass das geht, spricht aber sicherheitshalber eine völlig alberne Ermahnung aus: Sollte ich mich nicht benehmen, käme ich als schwarzbuntes Kalb unter den Hammer! Also komme ich mit und falle kaum auf weil ich so brav bin. Ein schwarzbuntes Kalb wäre sicherlich stärker aufgefallen unter all dem Braunvieh und Fleckvieh…
Am Nachmittag besuchen wir die Forellen am Kloster. Die sind mir irgendwie nicht geheuer, zudem die Überläufe des Teichs so komische Sauggeräusche machen! Ich traue mich nach kurzer Zeit trotzdem ganz nah ans Ufer und mache mir einen Spaß aus diesem Wasser-Spuk.

Forellen.JPGLuna_und_Forellen5.JPG

Danach ist die über 1000 Jahre alte Tassilo-Linde dran. Tine und ich zollen ihr den gebührenden Respekt, zu dem sich in ihr ein Hornissen-Schwarm eingenistet hat! Trotzdem muss ich – natürlich in angemessenem Abstand – vor diesem altehrwürdigen Naturdenkmal posieren.

Luna_vor_Tassilolinde2.JPG

Nach dieser eindrucksvollen Runde durch Wessobrunn heißts dann nur noch Essen und Schlafen – damit wir fit sind für den nächsten Pilgertag!

Tagebuch eines Pilgerköters (3)

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Mittwoch, 2007-09-26

Auf dem Jakobsweg von München zum Bodensee

3a_in_Dießen_angelegt.JPG

Tag 3: Reh-Braten-Träume

Uh, heute läuft Frauchen aber schon etwas „unrund“! Ich bin zugegebener Maßen auch etwas erschöpft – trotz der gründlichen Vorbereitung durch lange Inline-Touren und tägliches Rucksack-Wandern schon 14 Tage vor der Tour – und lasse mich daher auf der Fähre über den Ammersee sehr theatralisch fallen und strecke alle Viere von mir, nachdem mir Tine den Rucksack abgenommen hat. Daher beschließt sie dann auch, mir diesen nicht wieder aufzusetzen sondern ihn selbst zu tragen, als wir in Dießen wieder Festland betreten. Die stolzen 1,5 kg mehr Gepäck scheinen ihr allerdings nicht besonders gut zu tun bergauf, dafür laufe ich zu Höchstform auf, weil überall Reh-Duft in der Luft liegt und wir etliche Rehe sogar aus nächster Nähe zu Gesicht bekommen. Zu doof, dass ich mich nicht ums Abendessen kümmern darf sondern durch Ermahnungen und die doofe Schleppleine zurückgehalten werde. Nach zwei Stunden flotten Wanderns und einer gründlichen Untersuchung meines gesamten Bewegungsapparats bekomme ich dann auch wieder meinen Rucksack aufgesetzt. Damit würde ich diese leckeren eleganten Tiere wahrscheinlich auch ohne Schleppleine nicht bekommen – aber Frauchen gönnt mir auch diese Herausforderung nicht…
Darüber tröstet mich jedoch die unglaubliche Landschaft ganz gut hinweg: Tiefe, bewaldete Schluchten, die an Kanadas Westküste erinnern, im Wechsel mit Almen mit Braunvieh und Fleckvieh, die unsere Gedanken wieder zurück nach Bayern holen.
Am heutigen Abend gestaltet sich die Zimmer-Suche einfacher: In Wessobrunn tritt ein pensionierter Braunvieh-Züchter vor die Tür, als hätte er geradewegs auf uns gewartet. Er vermietet Zimmer an Pilger, und wie es sich aus Köter-Sicht gehört, begrüßt er mich ausgiebig und lobt mich als besonders schönen und tüchtigen Hund! Hier können wir bleiben!

Tagebuch eines Pilgerköters (2)

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Dienstag, 2007-09-25

Auf dem Jakobsweg von München zum Bodensee

2b_bei_Andechs.thumbnail.JPG

Tag 2: Hunde unerwünscht!

Heute will es Frauchen aber wissen! Wir sind um kurz nach sechs aufgestanden und los ging’s. Irgendwann haben wir glücklicherweise auch mal Pausen gemacht und dann gab’s für mich meist ein Schälchen Bio-Katzenfutter, mein unangefochtenes Lieblingsessen! Aber erst um 19:30 beschließt Tine, dass wir genug gelaufen sind für heute und schaut sich nach Quartieren um. Im Kloster fragt sie erst gar nicht, da sie davon ausgeht, dass Hunde dort unerwünscht sind (da bin ich mir allerdings nicht so sicher, aber Tine ist halt die Chefin…). Feststellen könne wir nur, dass man in den Andechser Gasthöfen offensichtlich nicht auf die Sorte „durchnässter Rucksack-Pilger mit Hund“ steht. Obwohl draußen „Zimmer frei“-Schilder stehen, werden unsere ersten beiden Anfragen abgelehnt – mit den Worten „Wir sind voll belegt.“ – „Wieso haben Sie dann das Schild draußen auf frei stehen? Das macht ja nur falsche Hoffnung!“ – „Ach ja, das stellen wir gleich auf belegt“ – Und dazu nur so viel: Als wir am ersten Gasthof um 22:30 noch einmal vorbeikommen, steht es immer noch auf frei…
Im zweiten Gasthof reagiert Tine auf die Absage bestimmter: Sie stellt klar, dass wir den ganzen Tag gewandert sind und es nicht mehr bis zum nächsten Ort schaffen werden und dementsprechend jetzt hier irgendein Zimmer benötigen. Und siehe da, es gibt doch noch eins! Allerdings eins, was ahnen lässt, wieso man hier Hunden gegenüber nicht mehr besonders aufgeschlossen ist: Die letzten Gäste, die dort eine Woche hausten, hatten auch einen Hund. Und das riecht man bei Betreten des Zimmers trotz offener Fenster augenblicklich! Es muss sich um einen ausgesprochenen Stinke-Köter gehandelt haben und so kommen wir diese Nacht doch noch zu etwas outdoor-feeling, in dem wir alle Fenster sperrangelweit offen lassen…

Tagebuch eines Pilgerköters (1)

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Montag, 2007-09-24

Auf dem Jakobsweg von München zum Bodensee

Luna und Tine machen Ferien. Abenteuerferien. Um genau zu sein pilgern sie. Auf dem Jakobsweg von München bis zum Bodensee. Über ihre Abenteuer berichten sie im Tagebuch eines Pilgerköters:
Mit dem Zug gings nach München, denn dort beginnt die große Wanderung.

Tag 1: Aus der Stadt raus!

Endlich: Auf dem Weg! Und der führt uns vom Münchener Jakobs-Platz aus raus aus der Stadt, was ich sehr begrüße. – Nichts gegen München, diese wunderschöne Stadt, aber als Köter zieht es einen ja doch eher ins Grüne, und ich glaube, meinem Frauchen geht es da ganz ähnlich…

1a_Luna_in_München.JPG

Wir marschieren an der Isar entlang, durch wunderschöne riesige Auen. Hier scheint sich Münchens Hundewelt zu versammeln und Frauchen nimmt mir auch gleich meinen Rucksack ab, damit ich ausgelassen mit den anderen spielen kann.
Wieder zurück auf dem eigentlichen Weg begegnet uns ein besonders schönes Gespann: Eine Fahrradfahrerin mit sieben (!) Whippets im Schlepptau – naja, ganz genau genommen sind’s 6,5 *haha*. Der eine sieht aus, als wäre da noch ein Rehpinscher mit im Spiel gewesen – aber ihr wisst ja, wir Windhund-Mischlinge sind die besten!!! Auf jeden Fall ist die Bande so flink, dass Frauchen es verpasst, ein Foto zu schießen… Schade!
Nach ca. 25 km in der bewaldeten Isarschlucht verlässt Frauchen auf einmal den Weg (was bei mir sonst immer Tabu ist!) und steuert schnurstracks auf zwei umgekippte Bäume in einer geschützten Ecke am Flussufer zu. Ich kapiere sofort was Sache ist und fange an eine Höhle als Nachtlager zu buddeln! Aber Tine versichert mir, dass das nicht nötig sei und spannt eine grüne Plane über uns zwischen den Baumstämmen auf. Darunter machen wir’s uns dann gemütlich, Tine auf ihrer langen und ich auf meiner kleinen quadratischen Isomatte, und lauschen dem Prasseln des Regens. Nach dem Abendbrot darf ich noch einmal ans Ufer trinken und dann legen wir uns schlafen.

1b_Luna_im_Nachtlager.JPG

Irgendwann mitten in der Nacht höre ich etwas und knurre. Ich passe immer sehr gut auf, wenn Tine schläft – irgendjemand muss diesen Job ja übernehmen… Frauchen schreckt auch direkt auf und ruft irgendetwas in die Dunkelheit. Sie hat tierische Angst, dass ein Jäger unterwegs sein könnte der mein Knurren hört, mich für einen wildernden Hund hält und einfach in die Richtung des Knurrens schießt. Dabei liege ich ja völlig anständig (zugegebener Weise angebunden) auf meiner Matte an Frauchens Kopfende. Und ihr Kopf würde dann bestimmt auch noch etwas von der für den „wildernden Hund“ bestimmten Schrot-Ladung abbekommen. – Höchst unangenehme Vorstellung! Kein Wunder, dass Frauchen nach diesen Gedanken nicht mehr besonders gut schläft und beschließt, dass wir die nächste Nacht in einer Pension verbringen werden, obwohl es das tolle freie outdoor-Gefühl natürlich ungemein schmälert…

 

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