Mir stinkts!
Manchmal habe ich äußerst geheime Botschaften an meinem Auto kleben. Parke ich doch zumeist in der Wallachei, um irgendwo mit den Hunden spazieren zu gehen, ist es schon merwürdig, wenn auf dem Rückweg auf einmal ein Kotbeutelchen an meiner Windschutzscheibe hängt. Unbenutzt natürlich. Will mir hier jemand unmissverständlich klar machen, dass ich nicht ordentlich genug bin und die Hinterlassenschaften meiner Hunde an einem einsamen Feldweg wegmachen soll? Glaubt man dem deutschen Schilderwald und der Reaktion mancher Mitbürger, wenn eine Person gleich mit zwei Hunden unterwegs ist, dann kann es nur diese Botschaft sein. Überall stehen diese Schilder, die mich freundlich, aber eindinglich in der Art “Hier ist die Kinderstube des Waldes” oder “Nur die Leine rettet Leben” mich nun “Hier werden Nahrungsmittel produziert” ermahen “Wehe ich erwische Dich, wie du deinen Köter hier scheissen lässt”. Gut in Parks, an Wanderwegen wenn der Hund mitten oder an den Rand des Weges kackt, in der Stadt, kann ich das verstehen. Was ich eigentlich sagen will: Kotsäckchen sind immer dabei. Dennoch mache ich sie nicht immer weg. Auf verlassen Feldwegen z.B. nicht. Auch nicht, wenn mir jemand geheime Botschaften mit Tüten an meine Windschutzscheibe hängt.
Manchmal will ich aber dennoch vorbildlich sein: dann mache ich sogar im hinterletzen Winkel des Waldes die Hinterlassenschaften weg. Was man, falls es jemand wissen will, von den meisten Wandersleuten wohl nicht erwarten kann …. die lassen sogar die Taschentücher líegen.
Heute z.B. am Eingang, also am Parkplatz eines Naherholungsgbiet stehen auf zehn Metern großzügig zwei Mülleimer mit Tütenspender. Ja heute kann ich mal vorbildlich sein und decke mich mit Tüten und dem Vorsatz ein, ein sehr guter Hundebesitzer sein zu wollen. Keine fünf Minuten später schlage ich mich auch schon durchs Dickicht. In meiner Hand, das erste lauwarme, schwarze Tütchen. Der nächste Mülleimer kommt bestimmt. Ein paar Meter später kommt zumindest eine Bank, aber daneben kein Mülleimer. Die nächste Sitzgelegenheit, der wir begegnen, ist etwas morbider als die erste Bank, kennzeichnet sich aber auch durch den fehlenden Mülleimer aus. Zwei Bänke, zwei mal kein Mülleimer dafür mittlerweile zwei stinkende Beutelchen. Nach nun ca. 30 Minuten Spazierweg laufen wir an einer weitern Bank vorbei. Sieht nach einem sehr einladenden Plätzchen aus. Aber auch hier – wie wäre es anders zu erwarten gewesen – kein Mülleimer. Es ist Sommer und die Tütchen immer noch lauwarm. Von dem Geruch wollen wir nicht reden. Mir stinkts! Ich habe überhaupt keine Lust mehr vorbildlich zu sein. Immerhin laufe ich seit einer halben Stunde mit zwei Tüten voller Scheisse durch die Gegend! An einer Ansammlung von vier Häusern finde ich einen Briefkasten, keine Bank und schon gar keinen Mülleimer. Ob der Briefkasten auch als Mülleimer missbraucht werden könnte? Dieser Gedanke entspricht meiner Laune, aber so etwas würde ich mich dann doch niemals wagen. Also bin ich selbstverständlich weiter vorbildlich trage meine stinkenden, schwarzen Tütchen immer noch spazieren. Nach einer weiteren halben Stunde bin ich wieder am Ausgangsort angekommen. Die zwei Mülleimer mit Tütchenspender warten geduldig auf mich. In der letzten halbe Stunde hatte ich viel Zeit nachzudenken. Die Säckchen an meinem Auto sollen bestimmt nicht heissen, dass ich ein vorbildlicherer Hundebesitzer sein soll, denn niemand kann erwarten, dass man so lange mit einer solchen Fracht unterwegs ist. Diese geheimen Botschaften an meinem Auto sind bestimmt nur ein Zeichen einer/eines Bekannten, dass sie auch mit Hund unterwegs sind und nichts anderes in der Tasche außer ein Kotbeutel hatten, um sich bemerkbar zu machen. Es ist bestimmt nur ein Gruß von Hundefreund zu Hundfreund … dann bleibt nur noch die Frage zu klären wo die ganzen Mülleimer hin sind. Ob es denen auch gestunken hat?