Der Warrigal aus Down Under
Weil Wiebke uns doch das tolle Dingobild aus Australien geschickt hat, ist es ein willkommener Anlass sich über den roten Hund aus Down Under schlau zu machen:
Der Dingo ist vielen vielleicht als echter Wildhund geläufig, der rötliche “Wolf” aus Australien. Dabei ist der Dingo gar kein echter Wildhund, sondern ein verwilderter Haushund. Ein sogenannter Pariahund, der in der Nähe des Menschen oder gar mit Menschen zusammenleben kann, ohne von ihnen gefüttert, versorgt oder gefördert zu werden. Der Dingo kommt überall auf dem Australischen Kontinent vor, in Wäldern, im Outback und eben auch auf Inseln wie Fraser Island.
Die Wissenschaft hat festgestellt, dass der australische Dingo von wenigen – vielleicht auch nur einem Paar südostasiatischer Pariahunde abstammt, die mittels Handelsschiffen aus Malaysia auf den Kontinent kamen. Die Hunde dienten der Besatzung wahrscheinlich als Nahrung.
In Australien konnte sich der Dingo auf Grund fehlender Feinde und gutem Nahrungsangebot sehr schnell vermehren. Zum großen Nachteil der endemischen Beutetiere wie z.B. dem Beutelwolf. Nahrungsquelle sind Kängurus und Wombats, sie fressen aber auch andere Beuteltiere, Nager, Vögel, Echsen, Insekten, Eier, sowie Aas. Sie keine Kostverächter, 170 Tierarten machen ein recht umfangreiches Beutespektrum für den Dingo aus. Mit der Ankunft der Weißen in Down Under änderte sich auch der Speiseplan für die verwilderten Hunde: seither bilden Wildkaninchen die Hauptbeute für die roten Hunde.
Der Dingo hat im übrigen etwa schäferhundgröße und die bekannte rötlich bis gelbliche Färbung. Meistens besitzen sie eine weiße Schwanzspitze und weiße Pfötchen. Es gibt auch aber schwarze und weiße Farbschläge. Auffällig sind die großen Stehohren. Wie Wölfe bellen Dingos allenfalls ganz kurz und einsilbig, dafür Heulen sie um so mehr. Weiter haben sie mit den Wölfen gemein, dass die Hündinnen nur einmal im Jahr Junge auf die Welt zu bringen. Die Paarungszeit der Dingos fällt in den Herbst oder Winter.
Ein Unterschied zu Wölfen ist allerdings, dass Dingos meistens einzeln gesehen gesehen werden. Je nach Nahrungssituation bilden aber auch Rudel von drei bis zwölf Individuen pro Territorium. Sie haben ein sehr felibles Sozialverhalten.
Dingos gelten als nur wenig sesshafte Tiere: sie können am Tag gut zehn bis zwanzig Kilometer zurücklegen. Neben dem Menschen gelten insbesondere Krokodile, verwilderte Hunde und Schakale als ihre natürlichen Hauptfeinde. Seit 2004 ist der Dingo auf der Liste der Bedrohten Arten der IUCN. Problem ist die Vermischung mit Haushunden. Untersuchungen aus den 1990er-Jahren schätzen den Anteil von Hybriden in der Gesamtpopulation auf ca. 78 Prozent.
Die australischen Ureinwohner fingen gelegentlich einen Dingo-Welpen und hielten ihn als Haustiere. Eine Wieder-Domestizierung findet allerdings nicht statt, da die Aborigines keine Vermehrung der Dingos in ihrer Obhut zuließen. Aborigines nutzen den Dingo nicht zur Jagd. Vielmehr werden sie am Lager gehalten haben Wachfunktionen, sind Spielkameraden für Kinder, beseitigen Fäkalien und dienen als Wärmekissen.
In den 1920er-Jahren wurde auf Grundlage des Wild dog act (1921) der Dog-Fence gebaut, der Dingos von den dicht besiedelten Regionen des australischen Südostens fernhalten soll. Rinderfarmer haben kein Problem mit den Dingos, da Dingos sich selten an Rinder wagen, wohl aber Nahrungskonkurrenten der Rinder wie Kannickel, Ziegen und Schweine jagen. Der Dog-Fence – Der Zaun ist übrigens eines der längsten Bauwerke und der längste Zaun der Welt (5320 km)- geht also viel mehr auf das Konto der Schaffarmer, die Dingos irgendwie nicht mögen. Denn Schafe stehen selten auf seinem Speiseplan, jedoch bei seinen MIchlingsverwandten hingegen sehr. Verpaarungen mit großwüchsigen Schäferhundrassen, die auch dem Menschen gegenüber ein geringeres Scheuverhalten zeigen richten bisweilen großen Schaden an Schafherden an. Noch bis 1964 wurden Prämien für die Erlegung des Dingos gezahlt, und wie immer in der Geschichte, verfolgte man ihn gnadenlos mit allen gängigen Mitteln: Falle, Gift und Gewehr. Diese scharfe Bejagung, wobei auch säugende Fähen nicht verschont wurden, seit Mitte des 19. Jahrhunderts, ist einer der Gründe für die Umstellung auf die nächtliche Lebensweise des Dingos. Durch die unerbittliche Bejagung des Dingos hatten aber wiederum die Kanninchen die Gelgenheit sich fast uneingeschränkt zu vermehren. Sehr zum Nachteil der Schaffarmer, da Kanninchen und Schaf in direkter Futterkonkurrenz stehen. Als Ergebnis gibt es zu der Dog-Fence nun auch ein Rabbit-Proof-Fence der die kleinen Nager daran hindern soll sich auf Acker- und Weideland auszubreiten.
Wer einen Dingo in Deutschland sehen will, schaut bei der Eberhard-Trummler Station in Wolfenbütel vorbei. Bei der Gesellschaft für Haustierforschung ist der Dingo Gegenstand der Forschung. Ein weiteres Dingo-Forschungsprojekt findet man in Tholey-Hasborn