Welcher Hund passt zu mir?
Nachdem man sich für einen Hund als Freizeitpartner entschieden hat, wird man vor eine Fülle von verschiedenen Rassen und Mischlingen gestellt, aus dem man den richtigen Hund für die jeweiligen Lebensumstände und Freizeitaktivitäten zu wählen hat. Dies ist bei über 400 anerkannten Rassehunden nicht gerade einfach. In diesem Artikel beleuchte ich die grobe Einteilung der einzelnen Hunderassen. Eine Vorstellung einzelner Hunderassen würde hier eindeutig den Rahmen sprengen. Dafür gibt es im Haustieranzeiger die Rassevorstellungen, die jeden Monat eine bestimmte Zuchthunderasse vorstellt.
Grundsätzlich sollte man sich vor dem Hundekauf die Frage stellen, ob man generell genug Zeit für einen Hund hat. Wer kümmert sich um den Hund, wenn man arbeiten ist? Danach sollte man schauen, welches Geschlecht zu einem passt. Lieber einen Rüden oder eine Hündin. Hier muss man ganz klar sehen, dass die Hündin in ihrem Naturell ganz klar hormonellen Einflüssen unterliegt, mit denen man klar kommen muss.
Ist auch diese Frage geklärt, steht man auf einmal vor einer Fülle von Hunderassen, aus dem man den richtigen Hund wählen muss. Das ist mitunter gar nicht so einfach. Beim Rassehund gibt es natürlich den Vorteil, dass durch die gezielte Zucht der Hunde, mit einiger Sicherheit gesagt werden kann, was für ein Naturell und welches ungefähres Aussehen der zukünftige Hund haben wird.
Doch trotzdem ist es dann immer noch schwierig, den richtigen Hund zu wählen! Hier hilft natürlich die Einteilung der Rassen in bestimmte Gruppe, die nach ihrer ursprünglichen Verwendung geordnet sind.
Hütehunde
Hütehunde sind Arbeitstiere, die für das Treiben der Herde gezüchtet worden sind. Sie sollen zusammen mit dem Schäfer oder Hirten, die Tiere zu einem bestimmten Ziel treiben. Dies setzt natürlich eine Bereitschaft voraus, eng mit dem Menschen zusammen zu arbeiten und sich dort leicht unter zu ordnen. Gleichzeitig muss man hier bedenken, dass Hüten umgelenkter Jagdtrieb ist und diese Tiere eine gewisse Jagdpassion haben.
Da die Hütehunde auch sehr clever sind, erwarten sie geradezu, dass ihr Mensch mit ihnen arbeitet. Dementsprechend muss man sich als Besitzer dieser Hunde, sehr um seinen Vierbeiner kümmern, damit er auch richtig ausgelastet wird. Ist dies nicht der Fall zeigt der Hund schnell Problemverhalten, dass sich oft in dem Bereich des Jagdverhaltens äußert. Gleichzeitig sollte man auch nicht vergessen, dass diese Tiere gegenüber ihrer Gruppe (Herde/Rudel) durchaus territorial und mitunter sehr verteidigungsbereit sind.
Die Hütehundrassen sind nur was für Menschen, die sehr aktiv sind und die Bereitschaft zeigen, mit dem Hund viel zu unternehmen und versuchen, sie artgerecht auszulasten.
Beispiele: Border Collie, Australian Shepherd
Treib-, Hof- und Bauernhunde
Diese Hunderassen sollten das Eigentum der Bauern beschützen. Sie sollten aber durchaus auch mal das Vieh zum Markt treiben und aufpassen, dass die Herde beisammen blieb. Dementsprechend sind es große, zähe Rassen, die nicht schnell aus der Fassung gebracht werden können.
Da sie aber zum Schutz des Eigentums genutzt werden, sind sie gerade dort sehr souverän und verteidigungsbereit! Gleichzeitig sind es Hunde, von denen die üblichen Unterordnungsübungen aus der modernen Hundeschule nicht gefordert waren. Somit zeigen sie sich sehr dickköpfig, wenn es darum geht, „Sitz“, „Platz“ oder „Fuss“ zu lernen.
Beispiele: Australian Cattle Dog, Appenzeller Sennenhund, Briard
Hirtenhunde
Hirtenhunde gehören zu den ältesten Rassen überhaupt. Sie hatten die Aufgabe die Herde des Hirten zu bewachen, auch wenn dieser nicht da war. Dementsprechend sind sie äußerst territorial und auch sehr verteidigungsbereit gegenüber Fremden, die sich der Herde nähert. Auf Hundeschule und Entertainment durch den Besitzer wurde hier nicht sehr viel Wert gelegt und so sind diese Hunderassen nur bedingt als Haustiere geeignet.
Wenn man einen Hund für sein eigenes Gelände benötigt, das dieser verteidigen und bewachen soll, dann fühlen sich diese Rassen am Wohlsten. Lange Spaziergänge oder auch Hundesport sind eher nichts für sie. Oft gibt es hier Probleme mit der Unterordnungsbreitschaft gegenüber Menschen. Der fachkundige Mensch muss diesen Hund schon von klein auf in seinen Rang einweisen, um ihn steuerbar zu machen. Diese Rassen sind ganz klar keine Anfängerhunde!
Beispiele: Kuvasz, Pyrenäen Berghund, Hovawart
Jagdhunde unter Führereinfluss
Diese Hunde sind für die Jagd gezüchtet und sollen mit dem menschlichen Jäger zusammen ein Team bilden. Sie sind Intelligent und müssen dementsprechend ihrer jagdlichen Passion ausgelastet werden. Sollte man kein Jäger sein und will den Hund trotzdem gut auslasten, sollte man sie mit Fährten- oder Apportierarbeit auslasten.
Grundsätzlich benötigen diese Hunde einen guten Hundeführer. Dem ordnen sie sich auch gerne unter und können gut ausgebildet werden. In diesem Haustieranzeiger stellen wir Ihnen den Cocker Spaniel vor, der unter dieser Gruppe eingeordnet wird. Sie sind familienbezogen und durchaus verschmust, müssen aber gut ausgelastet werden, damit ihre Jagdpassion in Grenzen gehalten wird.
Beispiele: Gorden Setter, Cocker Spaniel, alle Retriever
Jagdhunde ohne Führereinfluss
Man unterscheidet diese Gruppe nach nasen- oder augenorientierten Jägern. Grundsätzlich hat man es mit Hunden zu tun, die gerne selbständig auf die Jagd gehen und das Wild zum Jäger treiben. In der Meute jagen sie oft noch lieber als alleine. Dabei sind sie zäh und widerstandsfähig.
Mit diesen Rassen wird man immer ein Jagdproblem haben. Dementsprechend sollten sie artgerecht mit Nasen- oder Apportierarbeit ausgelastet werden. Alleine kann man ihren Jagdtrieb gut beherrschen, aber in einer Gruppe sind sie schon eher weg. Zusätzlich sind sie kein Kostverächter und fressen gerne, was nicht niet und nagelfest ist.
Beispiele: Beagle, Barsoi, Deerhound
Eigenständige Jäger
Unter diese Gruppe fallen alle Terrier- und Teckelrassen. Sie sind eigenständig und gehen bei der Jagd in den Bau der Beute, um diese schlussendlich auch zu töten. Dabei sind sie zäh, widerstandsfähig und verteidigungsbereit.
Menschliche Führerschaft erkennen sie aber an und sind durchaus lernbegierig. Daher sollte man sie gut ausbilden, damit sie gut zu führen sind, da sie auch gerne mal ihren Willen mit den Zähnen durchsetzen wollen. Eine artgerechte Auslastung über Nasen- und Fährtenarbeit ist hier sehr wichtig, damit sie beim Spaziergang nicht einfach mal weg sind.
Beispiele: alle Terrier, Dobermann, Schnauzer
Hunde vom Urtyp
Diese Hunde nennt man so, da sich ihr Aussehen und ihr Verhalten seit Jahrtausenden nicht verändert hat. Hunde dieser Gattung sind Schlittenhunde, Jagdhunde, Hütehunde und Wachhunde. Diese Hunde sind zwar an spezielle Bedürfnisse des Menschen angepasst, hatten aber bestimmte Aufgaben zu erfüllen, wie zum Beispiel Schlitten ziehen. Als reine Arbeitstiere war eine Selektion auf bestimmte Merkmale eigentlich nicht erforderlich und so haben diese Hunde oftmals noch ihr komplettes Instinktverhalten, was Rudelordnung und Jagdverhalten mit einschließt.
Daher sind sie oft nur schwer zu erziehen, können mitunter nicht gut in einer Wohnung alleine bleiben und sind gerne Jäger. Viele diese Hunde sind geradezu Langstreckenläufer und gehören in eine erfahrene Hand, die diese Art der Auslastung fördert.
Beispiele: Siberian Husky, Akita Inu, Eurasier
Saupacker, Bären- und Bullenbeißer
Früher wurden diese Hunde zur Großwildjagd eingesetzt. Sie sollten das Wild angreifen, verletzen und müde kämpfen, bis sich der Mensch zum Erlegen der Beute heran trauen konnte. Nach dem Niedergang der Großwildjagd wurden sie oft mit Terriern gekreuzt und mussten sich dann in Hundekämpfe beweisen. Dieses unrühmliche Kapitel brachte extrem aggressive Tiere gegenüber Artgenossen hervor und führte in den letzten Jahren unter anderem zur sehr restriktiven Hundegesetzgebung in Deutschland.
Gegenüber Menschen war diese Form der Aggressivität nicht erwünscht und so sind diese Hunde in ihrem Menschenrudel liebe Familienhunde. Gegenüber Fremden und anderen Hunden können sie aber sehr aggressiv reagieren. Auch muss eine Rangeinweisung durch den Menschen sehr klar vorgenommen werden, da sie sich nicht ohne Weiteres unterodrnungsbereit zeigen. Diese Art der Hunde gehört tatsächlich nur in hundeerfahrene Hände, um die Tiere richtig erziehen zu können.
Beispiele: Doggen, Boxer, Mastiff, Staffordshire Terrier
Gesellschaftshunde
Diese kleinen Hunderassen wurden sehr lange auf ein jugendliches, unselbständiges Verhalten hin selektiert. Dabei kamen sehr pflegeintensive Hunde heraus, die das Kindchenschema des Menschen ansprachen.
Sie sind sehr unterordnungsbreit und man hat oft wenig Probleme sie zu erziehen. Das Fell ist oftmals sehr pflegeintensiv und muss mehrmals am Tag gebürstet werden. Aufgrund ihrer Größe sind es nicht unbedingt Langstreckenläufer, obwohl ich einige kleinere Pinscher kenne, die gerne am Rad mitlaufen. Am wohlsten fühlen sich diese Hunde in der Nähe ihres Menschen.
Beispiele: Malteser, Zwergspitz, Französische Bulldogge
Ich hoffe dieser kurze Überblick wird Ihnen helfen, den richten Hund für sich zu finden. Klar ist, dass ein so kurzer Artikel nicht alle Rassen mit all ihren Facetten beleuchten kann. Wenn Sie sich für eine Gruppe Hund entschieden haben, können sie sich von dort aus einzelne Rassen näher betrachten und so den richtigen Hund finden.
Service:
Internet
www.vdh.de
Literatur
Eva-Maria Krämer, „Hunderassen“, Kosmos-Verlag, ISBN 3-440-09338-7
Artikel wurde erstellt von:
Tierverhaltensberatung und Hundeschule Björn Eickhoff
Schöllerweg 51
42327 Wuppertal
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